Ich habe quasi einen Freund, der auf einem anderen Planeten lebt und nach der Sekundarstufe ohne eine Ausbildung ins Berufsleben stürzte und jetzt mit ca. 50 von den jungen Kollegen wegen seines Alters diskriminiert und weggemobbt wird.
Mein Freund fühlt sich ganz elend und fand Befriedigung in gewissen Tätigkeiten. Und er bleibt bis spät in die Nacht auf, um diese Befriedigung zu bekommen. Und er schläft wohl weniger als 5 Stunden und scheint sehr empfindlich und reizbar zu sein.
Ich habe schon ein paarmal versucht, meinen Freund zu motivieren, ein CV zu schreiben und mir einen Zwischenstand zu zeigen, aber: ohne Erfolg.
OK … – ich versuche es nochmal.
Um dich einem potentiellen neuen Arbeitgeber vorzustellen und attraktiv zu machen, musst du ihm doch beschreiben, was du in den letzten 30 Jahren getan hast.
Fasse es doch einmal als deine professionellen Memoiren auf! Aber während Memoiren nicht unbedingt streng chronologisch beschreiben, beschreibt ein CV das Leben eben streng chronologisch.
Wenn dir erst einmal keine Kapitelüberschriften einfallen, dann gibt es eben erst einmal keine Kapitelüberschriften. Am Ende muss der Text aber eine Gliederung und Kapitelüberschriften haben.
Ja, ich weiß, du findest es “zum Kotzen”, dass du so etwas aufschreiben sollst, und vielleicht findest du auch deine professionelle Arbeit der letzten 30 Jahre zum Kotzen. Aber trotzdem wird kein Weg daran vorbeiführen, dass du aufschreibst, was du in den letzten 30 Jahren professionell geleistet hast. Jeder potentielle neue Arbeitgeber, dem du dich vorstellen magst, wird fragen, was du in deinem Berufsleben getan hast. Und dazu schaut er sich dein CV an.
Ja, ich habe verstanden, dass du darunter leidest, dass du keine Berufsausbildung als Architekt hast, obwohl du in einem Architektur-Büro arbeitest. Aber es ist eben, wie es ist. Du bist in dieser Situation nicht alleine. Und ich bin sicher, dass der Arbeitsmarkt auf deinem Planeten Menschen wie dich mit genau deinen Qualifikationen braucht.
Ich weiß natürlich wirklich nicht, wie der Arbeitsmarkt auf deinem Planeten funktioniert. Aber in der modernen Welt auf meinem Planeten gibt es eine Arbeitsvermittlungs-Industrie. Es gibt Agenturen, die Profile bzw. CVs von Menschen sammeln, die Arbeit und einen Job suchen und als Ressourcen auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Und diese Agenturen stehen auch mit den Arbeitgebern in Kontakt, die neue Mitarbeiter suchen. Und diese Agenturen bringen die beiden Seiten zusammen, weil sie von den Arbeitgebern für erfolgreichen Vermittlungen Provisionen bekommen. Du solltest also auch nicht nur ein CV schreiben, sondern du solltest also auch solche Agenturen finden und dich mit ihnen besprechen. Und da solltest du dein CV vorlegen. und da solltest du nicht sagen, dass du alles “zum Kotzen” findest, was du in den letzten 30 Jahren gemacht hast. Und du solltest da auch ein fröhliches Gesicht zeigen und nicht darstellen, dass du dich “am Boden” und ganz elend fühlst. Und sie erkennen auch, ob jemand ausgeschlafen ist und Energie und Tatkraft mitbringt.
Ich fände es also gut, wenn du wie oben beschrieben ein CV erstellen und mir Zwischenstände zeigen würdest und wenn du solche Arbeitsvermittlungs-Agenturen suchen und mit ihnen in Kontakt treten würdest.
Jedenfalls möchte ich eigentlich nicht mehr dein Jammer über Alters-Diskriminierung und Angst über Job-Verlust erleben.
Ich helfe dir ja gerne und versuche weiter, dich zu motivieren – aber das Jammern kann ich gar nicht mehr ertragen.
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