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Buch von Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch, Teil 2: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

Aus dem Kapitel “Bis hierhin und nicht weiter“:

… Ich war eine Woche zuvor sieben Jahre alt geworden und hatte diesem Geburtstag entgegengefiebert, da ich durch ihn endlich das Recht erwarb, den Schulweg allein zurückzulegen. Von einem Tag auf den anderen durfte ich nun stehen bleiben und weitergehen, wann immer ich es wollte. … waren wie verändert, und ich entdeckte lauter Dinge, die mir in Begleitung meiner Mutter oder meiner Brüder noch nie aufgefallen waren. Ich machte etwas größere Schritte und kam mir unglaublich erwachsen vor. Dadurch, dass ich ein Einzelner war, vereinzelten sich auch die Dinge um mich herum. Gegenüberstellungen auf Augenhöhe: Die Kreuzung und ich. Der Kiosk und ich. Die Schrottplatz-Mauer und ich.
Wie viele Entscheidungen ich plötzlich selbst treffen durfte, überraschte mich. An der Hand meiner Mutter hatte ich meist vor mich hin geträumt oder mit ihr geredet und mich, nie auf den Weg achtend, zur Schule bringen lassen wie einen Brief zum Postkasten.
Die erste Woche lang war ich brav, wie ich es hoch und heilig versprochen hatte, den verabredeten Weg gegangen – den Weg, in den mich meine Mutter mit allem Nach-links- und Nach-rechts- und wieder Nach-links-Gucken eingewiesen hatte, doch am darauffolgenden Montag beschloss ich, einen kleinen Umweg durch die Schrebergartensiedlung zu nehmen. …

Wenn ich heute Abend (2015-01-22) wieder Zeit finde, würde ich gerne dafür bezahlen, es eben kaufen.

Vom Ende des Kapitels “Bis hierhin und nicht weiter”:

Für mich war das eine unfassbar befreiende Erkenntnis: Erfinden heißt Erinnern.

Das Kapitel “Zuhause in der Psychiatrie” zu Ende gelesen.

Die Kapitel “Die Höhe der Buchstaben” und “Das Geburtstagsfrühstück” gelesen.

Vom Ende des Kapitels “Freundinnen” – er zitiert den Vater und kommentiert dann:

»Es gibt Dinge, die du tust, die mich nichts an­ge­hen, und es gibt Dinge, die ich tue, die dich nichts an­ge­hen.«
Er senk­te den Blick und las wei­ter.

Die­sen Satz habe ich mo­na­te­lang als schlim­me Krän­kung mit mir her­um­ge­tra­gen, und erst spä­ter wurde mir klar, dass auch mir die­ser Va­ter­satz große Frei­hei­ten gab, die es zu nut­zen galt.

2015-02-11 : Ich bin nun auch mit Band 2 fertig – ein wenig traurig – muss mich wohl wieder an ein neues aktuelles Lieblings-Buch gewöhnen.

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