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Joachim Meyerhoff Raben-Kalender

Kalender-Blatt vom 11. Januar 2019

Ich werde mit dir niemals auch nur ein einziges Wort über meine Person wechseln. Entweder man hat Nachsicht mit den Unzulänglichkeiten des anderen, oder man sollte schleunigst das Weite suchen. So ritualisiertes Befindlichkeitsgelaber bringt mich um.

Hanna in Joachim Meyerhoff, Die Zweisamkeit der Einzelgänger
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Joachim Meyerhoff Literatur

Roman: Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger (“Alle Toten fliegen hoch”, Band 4)

… Der Zug fuhr davon. Ich war überrascht, wie partnerschaftlich sich zwei Empfindungen in mir regten: Ich vermisste sie bereits, war aber auch heilfroh, dass sie endlich weg war.

in Kapitel 12

Ei, was für ein gemeiner (aber wohl ehrlicher) Schlusssatz dieser Hanna-Episode!

»Ohne Panik kein Paradies.«

Hanna in Kapitel 27

In Sachen Ehrlichkeit hatte ich einen großen Schritt in die moralisch richtige Richtung getan, in Sachen Erlebnisfülle allerdings fühlte es sich nach einem erheblichen Rückschritt an.

no more Franka, Kapitel 30, Seite 398
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aus Joachim Meyerhoffs “Alle Toten fliegen hoch, Teil 3”: “Psy­cho­ar­chäo­lo­gin”

Aus dem Kapitel “Endlich spielen”:

Wo­chen­lang kratz­te sie mit den un­ter­schied­lichs­ten Werk­zeu­gen wie eine be­ses­se­ne Psy­cho­ar­chäo­lo­gin an mir herum. Schicht für Schicht wurde frei­ge­legt und ich wurde von Stun­de zu Stun­de dünn­häu­ti­ger.

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Buch von Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch, Teil 3: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Der erste gravierende Orthographiefehler:

Da­ge­gen war die all­mor­gend­li­che Gym­nas­tik mei­nes Groß­va­ters, der ere­mi­tier­ter Pro­fes­sor der Phi­lo­so­phie war, eine ab­stru­se Gym­nas­tik­si­mu­la­ti­on.

Wenn ein Professor nicht mehr vollzeit-engagiert ist und vielleicht ein wenig in Rente geht, dann emeritiert er. Ein Eremit ist ein Einsiedler – das ist etwas ganz anderes.

Aus dem Kapitel “Endlich spielen”:

Wo­chen­lang kratz­te sie mit den un­ter­schied­lichs­ten Werk­zeu­gen wie eine be­ses­se­ne Psy­cho­ar­chäo­lo­gin an mir herum. Schicht für Schicht wurde frei­ge­legt und ich wurde von Stun­de zu Stun­de dünn­häu­ti­ger.

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Buch von Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch, Teil 2 – zu Ende gelesen

Sein Schreibstil wird mir wohl bis auf weiteres fehlen – er wuchs mir sehr ans Herz.

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“ich mach­te meine Augen so groß ich konn­te, ein alle Schlüs­sel­rei­ze des Mit­leids zur Schau stel­len­des Un­schulds­lamm”

Eine grandiose Formulierung aus diesem Buch:

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“der Altenteil” oder “das Altenteil”

Unser Wo­chen­end­häus­chen und auch der Al­ten­teil waren nichts wei­ter als zwei wei­che, unter dem Schnee be­gra­be­ne Hügel in der Land­schaft.

OK … – ich habe auch noch nach “der Altenteil” auf dem Web gesucht – und es gibt genügend Treffer dazu – vielleicht muss man eben von landschaftlichen Variationen ausgehen.

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Lektüre vom 2015-01-24 : Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch, Teil 2 – bis zum Kapitel “Das Geburtstagsfrühstück”

 

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Buch von Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch, Teil 1: Amerika – zu Ende gelesen

Weiter geht’s mit Teil 2! Oder sollte ich nicht doch “wg. der Dringlichkeit der Dinge” etwas Technik-Naheres lesen?

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Buch von Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch, Teil 2: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

Aus dem Kapitel “Bis hierhin und nicht weiter“:

… Ich war eine Woche zuvor sieben Jahre alt geworden und hatte diesem Geburtstag entgegengefiebert, da ich durch ihn endlich das Recht erwarb, den Schulweg allein zurückzulegen. Von einem Tag auf den anderen durfte ich nun stehen bleiben und weitergehen, wann immer ich es wollte. … waren wie verändert, und ich entdeckte lauter Dinge, die mir in Begleitung meiner Mutter oder meiner Brüder noch nie aufgefallen waren. Ich machte etwas größere Schritte und kam mir unglaublich erwachsen vor. Dadurch, dass ich ein Einzelner war, vereinzelten sich auch die Dinge um mich herum. Gegenüberstellungen auf Augenhöhe: Die Kreuzung und ich. Der Kiosk und ich. Die Schrottplatz-Mauer und ich.
Wie viele Entscheidungen ich plötzlich selbst treffen durfte, überraschte mich. An der Hand meiner Mutter hatte ich meist vor mich hin geträumt oder mit ihr geredet und mich, nie auf den Weg achtend, zur Schule bringen lassen wie einen Brief zum Postkasten.
Die erste Woche lang war ich brav, wie ich es hoch und heilig versprochen hatte, den verabredeten Weg gegangen – den Weg, in den mich meine Mutter mit allem Nach-links- und Nach-rechts- und wieder Nach-links-Gucken eingewiesen hatte, doch am darauffolgenden Montag beschloss ich, einen kleinen Umweg durch die Schrebergartensiedlung zu nehmen. …

Wenn ich heute Abend (2015-01-22) wieder Zeit finde, würde ich gerne dafür bezahlen, es eben kaufen.

Vom Ende des Kapitels “Bis hierhin und nicht weiter”:

Für mich war das eine unfassbar befreiende Erkenntnis: Erfinden heißt Erinnern.

Das Kapitel “Zuhause in der Psychiatrie” zu Ende gelesen.

Die Kapitel “Die Höhe der Buchstaben” und “Das Geburtstagsfrühstück” gelesen.

Vom Ende des Kapitels “Freundinnen” – er zitiert den Vater und kommentiert dann:

»Es gibt Dinge, die du tust, die mich nichts an­ge­hen, und es gibt Dinge, die ich tue, die dich nichts an­ge­hen.«
Er senk­te den Blick und las wei­ter.

Die­sen Satz habe ich mo­na­te­lang als schlim­me Krän­kung mit mir her­um­ge­tra­gen, und erst spä­ter wurde mir klar, dass auch mir die­ser Va­ter­satz große Frei­hei­ten gab, die es zu nut­zen galt.

2015-02-11 : Ich bin nun auch mit Band 2 fertig – ein wenig traurig – muss mich wohl wieder an ein neues aktuelles Lieblings-Buch gewöhnen.