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Israel Literatur Lizzie Doron

Roman: Lizzie Doron: Who the Fuck Is Kafka

»Warum bist du eigentlich nicht … in Italien geblieben?«, fragte ich. »Dann wäre vielleicht …«
»Euretwegen«, antwortete er schnell. »Ich habe es dir doch schon gesagt. Wenn ich in einem Jahr mehr als hundertachtzig Tage außerhalb von Israel bin, verliere ich jedes Recht, zurückzukehren. …«

Lizzie Doron, Who the Fuck Is Kafka, Seite 179

Der befragte ist ein israelischer Araber. Er verliert seine Staatsangehörigkeit, wenn er Israel für mehr als hundertachtzig Tage im Jahr verlässt. Oder gibt es einen Unterschied zwischen “darf nicht zurückkehren” und Staatsangehörigkeit? Es gibt wohl einen UN-Beschluss, nachdem kein Staat seine Bürger staatenlos machen darf. Aber nicht alle Länder haben diesen Beschluss ratifiziert.

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Israel Literatur Lizzie Doron

Roman: Lizzie Doron: Sweet Occupation

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Joachim Meyerhoff Raben-Kalender

Kalender-Blatt vom 11. Januar 2019

Ich werde mit dir niemals auch nur ein einziges Wort über meine Person wechseln. Entweder man hat Nachsicht mit den Unzulänglichkeiten des anderen, oder man sollte schleunigst das Weite suchen. So ritualisiertes Befindlichkeitsgelaber bringt mich um.

Hanna in Joachim Meyerhoff, Die Zweisamkeit der Einzelgänger
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Amos Oz Judentum Yiddishkeit

eine anderer Nachruf zu Amos Oz: Nebbich – also nein!!!

Um das vorauszuschicken: Mein Nachruf zu Amos Oz ist dies nicht – ich kommentiere nur einen Ein-Wort-Nachruf zu Amos Oz aus dem Munde eines Bekannten.

Ein sehr geschätzter Bekannter brachte auf die Bitte nach einem Wort (vielmehr einem Kommentar) zum gestrigen Tode von Amos Oz nur ein Wort hervor: Nebbich. Und er wandte sich ab und ging. Ehrlich, das sagte er und genau so reagierte er. Und für mehr stand er nicht zur Verfügung. Ups! Da war ich sehr verblüfft.

Wir haben also Nebbich (groß geschrieben) und nebbich (klein geschrieben). Nebbich (groß geschrieben) wäre hier eine klare und wirklich nicht harmlose Verunglimpfung. Das klein geschriebene nebbich ist hier vergleichsweise harmlos. Wahrscheinlich konnten sich die Autoren der beiden getrennten Artikel im deutschsprachigen Wiktionary einfach mal wieder nicht einigen und pfuschten sich nicht gegenseitig ins Handwerk. Anders kann es nicht zustande kommen, dass der groß- und der kleingeschriebenen Variante so unterschiedliche Bedeutungen zugeschrieben werden.

Die Verunglimpfung, die mit dem groß geschriebenen Nebbich verknüpft ist, verdient Amos Oz nicht.

Und das Herunterspielen seiner Bedeutung durch das klein geschriebene nebbich verdient Amos Oz auch nicht.

Ich erinnere mich an diese Redewendung aus meiner Schulzeit (heute ist sie nicht mehr so gängig):

de mortuis nil nisi bene / de mortuis nihil nisi bene .

The Latin phrases … indicate that it is socially inappropriate to speak ill of the dead.

Wenn in Deutschland dieser Spruch aus dem griechisch-römischen Altertum nicht so verbreitet und geschätzt wäre, dann gäbe es wohl noch ein paar Nachrufe mehr zu Amos Oz und zwar ganz anderer Natur. Da würden wir uns möglicherweise die Augen reiben. Amos Oz war eben schon auch einer, an dem sich die Geister schieden – und das tun sie eben auch über seinen Tod hinaus. Darüber sollte man sich nicht täuschen.

Update 2018-12-30: Am Abraham-Geiger-Kolleg hatte Amos Oz anscheinend Freunde (zumindest den Rektor, oder?):

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Amos Oz

Autor Amos Oz ist tot

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Arno Geiger

Arno Geiger: Unter der Drachenwand (Roman)

Der Figur des Robert Raimund Perttes (“der Brasilianer”) zugeschrieben:

Ruhig wird man erst, wenn man geworden ist, wer man sein soll.

Was kann ich über dieses Buch sagen? Ich habe es heute “zu Ende” gelesen. Kann man so ein Buch wirklich “zu Ende” lesen?

Mir kommt der Begriff Pflichtlektüre in den Sinn. Aber dieser Roman verdient, dass er nicht als Pflichtlektüre von Schülern gehasst wird. Nein, über diesen Roman “darf” sich niemand “lustig machen” etc.

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Joachim Meyerhoff Literatur

Roman: Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger (“Alle Toten fliegen hoch”, Band 4)

… Der Zug fuhr davon. Ich war überrascht, wie partnerschaftlich sich zwei Empfindungen in mir regten: Ich vermisste sie bereits, war aber auch heilfroh, dass sie endlich weg war.

in Kapitel 12

Ei, was für ein gemeiner (aber wohl ehrlicher) Schlusssatz dieser Hanna-Episode!

»Ohne Panik kein Paradies.«

Hanna in Kapitel 27

In Sachen Ehrlichkeit hatte ich einen großen Schritt in die moralisch richtige Richtung getan, in Sachen Erlebnisfülle allerdings fühlte es sich nach einem erheblichen Rückschritt an.

no more Franka, Kapitel 30, Seite 398
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Arno Geiger Literatur

Roman: Arno Geiger: Unter der Drachenwand

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Joachim Meyerhoff Literatur nicht-zugeordnet

aus Joachim Meyerhoffs “Alle Toten fliegen hoch, Teil 3”: “Psy­cho­ar­chäo­lo­gin”

Aus dem Kapitel “Endlich spielen”:

Wo­chen­lang kratz­te sie mit den un­ter­schied­lichs­ten Werk­zeu­gen wie eine be­ses­se­ne Psy­cho­ar­chäo­lo­gin an mir herum. Schicht für Schicht wurde frei­ge­legt und ich wurde von Stun­de zu Stun­de dünn­häu­ti­ger.

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Joachim Meyerhoff Literatur nicht-zugeordnet

Buch von Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch, Teil 3: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Der erste gravierende Orthographiefehler:

Da­ge­gen war die all­mor­gend­li­che Gym­nas­tik mei­nes Groß­va­ters, der ere­mi­tier­ter Pro­fes­sor der Phi­lo­so­phie war, eine ab­stru­se Gym­nas­tik­si­mu­la­ti­on.

Wenn ein Professor nicht mehr vollzeit-engagiert ist und vielleicht ein wenig in Rente geht, dann emeritiert er. Ein Eremit ist ein Einsiedler – das ist etwas ganz anderes.

Aus dem Kapitel “Endlich spielen”:

Wo­chen­lang kratz­te sie mit den un­ter­schied­lichs­ten Werk­zeu­gen wie eine be­ses­se­ne Psy­cho­ar­chäo­lo­gin an mir herum. Schicht für Schicht wurde frei­ge­legt und ich wurde von Stun­de zu Stun­de dünn­häu­ti­ger.